Seegeschichten vom Altmühlsee Folge 8
"Karl Hummel - Chronist des Altmühlsees"
Wenn Karl Hummel über den Altmühlsee spricht, dann so, als wäre er nicht
nur Zeitzeuge, sondern Mitgestalter – ja fast Teil des Ufers selbst. Seit den
ersten Planungen des Fränkischen Seenlands ist er dabei. Zuerst als
Gemeinderat und zweiter Bürgermeister in Muhr am See, später als
Gastgeber, Schiffsführer, Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins – und
heute als Gästeführer mit dem Blick fürs große Ganze.
„Was damals auf uns zugekommen ist, konnte ja keiner wissen“, sagt Hummel
im Gespräch. Die Bevölkerung sei mitgenommen worden – nicht immer ganz
freiwillig, aber mit Bedacht und Augenmaß. Was früher saure Wiesen waren,
wurde zur Grundlage eines touristischen Neuanfangs. Und mit dem Wasser
kamen neue Wege: wirtschaftlich, gesellschaftlich, strukturell. Die alte
Ortsstraße wich, Kindergärten wuchsen, Gästezimmer entstanden – und ein
See, der nicht nur reguliert, sondern verbindet.
Besonders eindrücklich wird das, wenn Hummel von seiner Zeit als Kapitän
auf der MS Altmühlsee erzählt. Zwölf Jahre lang steuerte er das Schiff – an
Familienfeiern vorbei, durch Piratenfahrten hindurch, hinein in
Sonnenuntergänge, die „einfach bleiben“. Und auch wenn die Lizenz
mittlerweile ausläuft: Seine Begeisterung fährt weiter mit. Heute bei
Führungen rund um den See, morgen vielleicht beim Kaffee auf Deck.
Was bleibt? Der Wandel. Und das Wissen darum, dass ohne die Menschen
vor Ort, ohne ihre Bereitschaft und ihr Vertrauen, aus einem ehrgeizigen
Wasserprojekt nie ein lebendiges Stück Heimat geworden wäre.
